"Ich bin die Johanna!"
Der Mann in dem verdreckten Zimmer reisst die Augen auf. Es kann sein, dass ein oder zwei Erbsen aus seinem offenen Mund auf den Teller zurückfallen. Der Löffel in seiner Hand bleibt über dem Teller hängen wie ein verlorenes Raumschiff über einem toten Planeten.
Fassungslos starrt er das Mädchen an, das in der Tür steht, die Arme hängen lässt und anscheinend nicht mehr zu sagen hat, als sie schon gesagt hat. Jetzt ist er dran, soviel ist ihm klar. Aber was sagt man zu einer Tochter, die man vor Jahren - waren es sechs? Sieben? Acht? - verlassen hat, besser aufgehoben bei der tüchtigen Mutter als beim verwahrlosten Vater, und die jetzt vor einem steht, blass und mager, Augenbrauen, Nasenflügel und Lippen von Ringen durchstochen, und einen mit den dick schwarz eingerandeten Augen ansieht wie ein kriegsgefangener Offizier, der fest entschlossen ist, nicht mehr von sich preiszugeben als Name und Dienstgrad?
Der Augenblick gerinnt zu Minuten. Als wären sie beide eingefroren in diesen Augenblick, ohne jemals wieder daraus auftauchen zu können. Ihr argwöhnischer Blick prallt auf seine graue Haut, seine Bartstoppeln, die Tränensäcke, das schüttere zerraufte Haar, den verblödeten Blick. Sein Hemd ist fleckig, die Hand, die den Löffel in Schwebe hält, zittert. Auf dem Tisch, an dem er seine Erbsen isst, stapeln sich alte Zeitungen und leere Konservendosen, eine zerrissene Socke krönt das Arrangement.
Der verwahrloste Alte versucht zu schnallen, was gespielt wird, aber der Blick seiner Tochter verrät ihm nichts. Diese Augen sind ein einziger Vorbehalt, enthalten sich jeden Urteils und geben nichts preis. Vorläufig steht sie hier in der Tür, und über ihren nächsten Schritt wird sie entscheiden, wenn es soweit ist. Jetzt ist erst einmal er am Zug, und das ist es, was ihn so verwirrt.
Schließlich findet er den Ausweg. Er lässt die Hand mit dem Löffel sinken, ergreift stattdessen das Glas, das neben dem Teller steht, hebt es hoch und sagt: "Prost!"

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