Natürlich war die Welt draufgegangen, wieder einmal, und unsere kleine Heldin flüchtete in die Weiten des Weltraums. In ihrem gläsernen Sarg trieb sie hinaus, Eiskristalle bildeten sich an den Scheiben und glitzerten noch gelegentlich auf im Schein des brennenden Planeten, von dem sie sich langsam entfernte. So trieb sie vors Antlitz von GOTT, der Göttin.
"Gratuliere" sagte GOTT, die Göttin, traurig. "Du bist die einzige Überlebende des zehnmillionsten Weltuntergangs. Du hast, wie du siehst, eine Reise gewonnen."
"Dieses Raumschiff hat mir mein Vater, der große Erfinder, gebaut", sagte die Kleine Prinzessin im Traum. "Aus Liebe zu mir. Er wollte mich retten, als er sah, dass alles, was er erfunden hatte, um der Menschheit zu  helfen, nur für ihre Vernichtung eingesetzt wurde."
"So ist es immer", seufzte GOTT, die Göttin.
"Was ist immer so?" fragte träumend Joanna-Barbarella, die Kleine Prinzessin.
"Es sind immer die Intelligenten, die schließlich den Weltuntergang herbeiführen. Nicht die Pflanzen, nicht die Tiere, immer die Intelligenten mit der großen Denkgeschwulst in der Schädelkapsel oder im Bauchskelett oder wo sie sie auch immer haben. Sobald sie damit anfangen, in ihrem Hirn ein kleines Modell der großen Welt draußen anzulegen, schon wollen sie die Welt neu erschaffen und sich selbst dazu. Und immer geht's schief."
GOTT, die Göttin, seufzte.
"Immer hoffe ich, dass sie einmal über diesen Punkt hinweg kommen. Jedesmal, wenn es wieder soweit ist, starre ich auf den Bildschirm und versuche euch zu hypnotisieren, ich schicke euch positive Wellen, damit ihr es schafft, ich lasse meine Liebe in euch hineinströmen, aber es nützt nichts. Manchmal kann ich es auch nicht lassen, ich betrüge ein bisschen, ich greife in die Tastatur und erscheine euch, gebe euch Ratschläge, schicke euch meine Propheten. Es bringt nichts. Anscheinend folgt es aus den Regeln: dass es bis hierher geht und nicht weiter."
Nachdenklich betrachtete GOTT, die Göttin, die Kleine Prinzessin in ihrem eisverkrusteten gläsernernen Sarg, der wie eine Schneeflocke auf ihrer Fingerspitze ruhte.
"Aus welchen Regeln?" dachte Barbarella-Joanna, die Kleine Prinzessin, träge im Dämmer des Kälteschlafs.
"Aus den Regeln, die ich geschaffen habe. Ganz einfache Regeln waren es, wenn ich mich recht erinnere. Es ist lange her. Eins und eins gibt zwei. Plus und Minus gibt null. Zwei Up-Quarks und ein Down-Quark ergeben ein Proton. Ganz einfache Spielregeln jedenfalls, und dann wollte ich zusehen, was daraus wird."
Barbarella-Joanna sah mit einem Mal sehr klar.

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