Aus dem Wörterbuch der anarchistischen Mystik

JESUS. Jüdischer Prediger, Wunderheiler und Sektengründer. Überredete junge Leute, ihre Arbeit im Stich zu lassen und mit ihm zu vagabundieren. Versprach in seiner sogenannten Bergpredigt nicht nur das Himmelreich, sondern auch das Erdenreich den Sanftmütigen. (Matth. 5,5.) Behauptete, daß es nicht nur eine Sünde sei, zu töten, sondern sogar, zu zürnen oder eins einen Narren zu schimpfen. Meinte, es sei keine große Kunst, eins zu lieben, von dem eins wiedergeliebt würde. Man solle sogar seine Feinde lieben.

Verlangte von seinen Anhängern, sie sollten sich nicht ständig mit dem Gedanken abquälen, was sie denn morgen essen und trinken würden, was sie denn morgen anziehen sollten. "Darum sorget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe." (Matth.6,34) Trieb sich gern auf Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten herum, wo er Zauberkunststücke vorführte und gut aß und trank. Auf den Vorwurf, er sei ein "Fresser und ein Weinsäufer" beschwerte er sich: "Die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von ihren Kindern!" (Matth. 11,19) Besaß aber nie mehr als die Kleider an seinem Leib. Seinen Agenten und Agitatoren verbot er, sich irgendwelcher Listen zu bedienen, und schrieb ihnen vor, ohne Gepäck zu reisen und kein Geld zu nehmen. Nicht einmal ein Kleid zum Wechseln erlaubte er ihnen.

Erlaubte auch keine Rangstreitigkeiten unter ihnen: "Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen, und die Oberherren haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch; sondern so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener." (Matth. 20, 25-26) Wurde von den weltlichen und geistlichen Machthabern, gegen die er agitierte, verfolgt, gefangengenommen und zu Tode gemartert. Erregte große Bewunderung und Liebe durch die Art, wie er mit seiner Todesangst zurechtkam.