Die Amazonen II

"Dein Gleichnis lehrt uns also", meinte einer der Schüler, "daß uns die Tatsache, daß es in der Regel nur Krieger und keine Kriegerinnen gibt, nicht zu der Annahme berechtigt, daß die Frau eine schlechtere Kämpferin ist als der Mann."

Dem stimmte der Rabbi zu.

"Aber sind wir nicht zur Annahme berechtigt, daß die Frau jedenfalls keine wesentlich bessere Kämpferin ist als der Mann? Hätten die Amazonen die Männer regelmäßig besiegt, so hätten sie doch ihrer Fortpflanzungsrolle unbeeinträchtigt nachkommen können."

Dem stimmte der Rabbi nicht zu: "Selbst ein Sieg kann nicht ohne Verluste errungen werden, und jeder Verlust von Frauenleben würde sich sofort auf die Zahl der Nachkommen auswirken. Freilich könnten im Fall eines Sieges die Amazonen ihre Verluste aus den Reihen der Besiegten ausgleichen. Aber stelle dir zwei Landstriche vor. In dem einen Landstrich leben Kriegerstämme, in dem anderen Amazonen. Hin und wieder mag es Zusammenstöße zwischen Kriegern und Amazonen geben. Die meisten der Kriege, die geführt werden, führen aber Kriegerstämme untereinander und Amazonenstämme untereinander. Die Amazonenstämme würden einander Verluste zufügen, und die Kriegerstämme würden einander Verluste zufügen. Doch die Verluste der Amazonen würden sich wiederum kraß auf die Nachkommenzahl auswirken, und die Amazonenstämme würden sich selbst dezimieren, oder könnten sich jedenfalls nicht so schnell vermehren wie die Kriegerstämme.

Sogar, wenn die einzelne Frau dem einzelnen Mann im Kampf wesentlich überlegen wäre, wären die Amazonenstämme den Kriegerstämmen unterlegen."

"Man sollte meinen", sagte Rabbi Eser, "daß eine solche Frage, wie, ob Frauen oder Männer in den Krieg ziehen sollen, doch irgendwie dem menschlichen Willen unterworfen sein sollte, daß die Menschen sich für das eine oder das andere entscheiden können müßten. Wie sich zeigt, sollte man aber genau das eben nicht meinen."