Der Mann und sein Freund

Der sechzigste Abt erzählte:

Es war einmal ein Mann in Ägypten, der konnte die Menschen glücklich machen. Wo er hinkam, erzählte er den Leuten Geschichten oder Witze, zeigte ihnen Kunststücke oder lehrte sie Lieder, und die Leute lachten und freuten sich. Die Leute kamen auch zu ihm hin und erzählten ihm ihre Sorgen, und er hörte zu, und wenn er einen Rat wußte, dann sagte er ihn. Oft genügte es auch, daß er zuhörte, und die mit ihm redeten, fühlten sich erleichtert und getröstet.

Der Mann hatte auch einen Freund, der ihn immer begleitete. Eines Tages sagte der Freund zu ihm:

"Ich bin unglücklich."

Das gab dem Mann einen Stich ins Herz.

"Warum denn? Erzähl mir doch!"

"Wo immer wir hinkommen, stehst du im Mittelpunkt. Du erzählst und bringst die Leute zum Lachen, und sie sprechen mit dir und lächeln dir zu und schütteln dir die Hände. Aber mich beachtet niemand, und wo ich hinkomme, da sagt man höchsten: ,Hallo, bist du nicht der Freund von dem, der die Menschen glücklich macht? Meinen eigenen Namen wissen sie gar nicht."

"Aber wolltest du nicht bei mir bleiben, weil meine Späße und Geschichten dich glücklich machen?"

"O ja, aber jetzt bin ich unglücklich."

"Dann werden wir uns wohl trennen müssen?"

"O nein, nur das nicht!"

"Oder soll ich aufhören, die Menschen glücklich zu machen?"

"Nein, das will ich auch nicht."

Der Mann, der die Menschen glücklich machte, fühlte sich auf einmal sehr unglücklich und ziemlich überflüssig. Am liebsten hätte er seine Fähigkeit, die Menschen glücklich zu machen, seinem Freund geschenkt. Aber wie hätte er das denn tun sollen?