Die zweite Erde

Rabbi Ephraim Eser erzählte einmal:

Nach einer alten Legende hat Gott auf der anderen Seite des Universums eine zweite Erde errichtet. Eine zweite Erde, auf der er probiert, experimentiert, Studien anstellt. Wie ein Schachspieler, der, während er eine Partie spielt, auf einem zweiten Brett alternative Züge ausprobiert, immer wieder neu ansetzt, abbricht, wenn er in eine Sackgasse gerät oder auch, wenn seine Versuche ihm zu einer Einsicht verholfen haben, die er in seinem wirklichen Spiel gebrauchen kann. Napoleon gewinnt dort die Schlacht bei Waterloo, Picasso ist Musiker, Wilhelm II. hat zwei gleich lange Arme, Hitler fällt im ersten Weltkrieg, Trotzki trägt den Sieg über Stalin davon. George Sand kommt als Mann zur Welt, Otto Weininger als Frau. Es geht dort sehr verwirrend zu, die Kausalität macht Sprünge, die Geschichte verläuft ohne Zusammenhang. Kein Mensch kann sagen, warum passiert, was passiert, man kann sich auf nichts verlassen, was heute Wahrheit ist, ist morgen Lüge. Sieger sind plötzlich Verlierer, Weltreiche verschwinden von der Landkarte, Religionen tauchen aus dem Nichts auf. Niemand weiß, wann es Gott wieder einmal gefallen wird, ein neues Experiment zu starten.