Rat für Liebende

Zu Bhin Dhu, dem dreizehnten Meister des Klosters der Erleuchteten, kam eines Tages ein Schüler mit der Eröffnung, er wolle das Kloster verlassen, denn er habe sich verliebt und wolle nun lieber den irdischen Pfad der Erlösung beschreiten.

"Es ist gut, mein Sohn", sprach der dreizehnte Meister und entließ den Schüler freundlich.

Doch gleich darauf kam der Schüler zurück, mit der Geliebten an der Hand, und beide fielen hin vor den Meister und der Schüler sprach: "Segne uns, Meister, und gib uns deinen Rat, damit unsere Liebe stark bleibt. Denn so groß sie auch ist, so fürchten wir doch, daß sie wie bei so vielen einst verlöschen könnte, und unsere Ehe dann nur mehr das kalte Grab ihres stinkenden Leichnams sein würde. Was müssen wir tun, wieviel dürfen wir voneinander verlangen, wie sehr dürfen wir einander belasten, daß nicht eins dem andern zum Ekel wird?"

Da legte der Meister den beiden seine Hände auf die Köpfe. Und dies war sein Spruch:

"Fordre das höchste Opfer
vom geliebten Wesen,
das Leben,
die ewige Seligkeit...

Aber geh ihm um Himmels Willen
nicht auf die Nerven!"