Drittes Band, 1

ARTUR MAIEN: [Ich versuche, zum Pressezentrum durchzukommen. Ich kann jetzt nicht mehr berichten, man muß doch etwas tun, man kann das hier doch nicht einfach geschehen lassen.]

*

ARTUR MAIEN: Hier ist mein Kollege Kilmeier von der Frankfurter Rundschau.

Kann man zur Festivalleitung kommen?

KILMEIER: Sie machen nicht auf, sie lassen niemand rein. Man muß Druck machen, sie können sich nicht einfach totstellen.

ARTUR MAIEN: Die Festivalleitung ist ein belagerter Bunker. Die Panzertüren des Betongebäudes sind fest geschlossen, bis in die Höhe des schätzungsweise dritten Stockwerks gibt es keine Fenster. Über der Tür eine Laufschriftanzeige: ,Derzeit können keine Informationen gegeben werden‘

Immer wieder trommeln Reporter gegen die Stahltüren. Einige stämmige, rotgesichtige Männer in verschwitzten weißen Hemden werfen sich gemeinsam im Takt gegen die Stahltür. Es rührt sich nichts dahinter.

Hier ist mein Kollege Bolliger vom Westdeutschen Rundfunk. Er hat gerade mit seiner Redaktion telefoniert. Was haben Sie erfahren?:

BOLLIGER: Der Außenminister hat den Botschafter zu sich beordert.

ARTUR MAIEN: Und?

BOLLIGER: Sie haben gar keinen Botschafter bei uns. Nur eine Handelsvertretung.

ARTUR MAIEN: Und die hiesige Regierung? Was geschieht auf dem Festland?

BOLLIGER: Die Regierung bildet einen Krisenstab.

ARTUR MAIEN: [Scheiße]. Und die Polizei, die Armee?

BOLLIGER: Hier sind fünfhunderttausend Selbstmörder. Womit willst du ihnen drohen? Mit Bomben?

EIN ANDERER REPORTER: Wir sollten zur Bühne. Die Eröffnungszeremonie wird gleich losgehen.

ARTUR MAIEN: [Ich möchte ins nächste Flugzeug, so schnell wie möglich.]

BOLLIGER: Es gibt keine Flugzeuge. Der Hubschrauberverkehr ist eingestellt. Der Bootsverkehr auch.

*