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Herr Balaban
und seine Tochter Selda

222 Geschichten (na ja, nicht ganz)
eine konzertante Lesung


Martin Auer erzählt 222 Geschichten (na ja, nicht ganz).


Marwan Abado spielt Ud (arabische Laute)und singt.

Peter Rosmanith sorgt für den Rhythmus.

Irgendwo in meiner Stadt oder in deiner lebt Herr Balaban mit seiner Tochter Selda und führt da seinen kleinen Laden. Und wenn er da nicht mehr lebt, dann hat er einmal da gearbeitet, und wenn er da nicht gearbeitet hat, dann hat er da einmal Arbeit gesucht. Denn Herr Balaban ist einer von den vielen, die in unserer Zeit der neuen Völkerwanderung ihre Heimat verlassen haben und in der Fremde ihr Glück suchen. Oder wenigstens einen Lebensunterhalt. Oder wenigstens eine Zuflucht.
Von Herrn Balaban wird behauptet - und er behauptet es auch selbst - dass er ein Nachfahre des berühmten Mullah Nasreddin Hodscha sei, der zur Zeit des Khans Timur Lenk, auch Tamerlan genannt, im heute türkischen Akschehir lebte, auf seinen Wanderungen aber auch bis nach Buchara und Samarkand im heutigen Usbekistan kam. Nasreddin ist überall, wo der Islam seine kulturellen Spuren hinterlassen hat, von Mombasa bis Singapur, so bekannt wie Eulenspiegel in unseren Gegenden. Vielleicht sogar bekannter. Und da Herr Balaban sein Nachfahre ist, darf es niemanden wundern, wenn viele der Geschichten, die hier über Herrn Balaban erzählt werden, ähnlich auch über den berühmten Nasreddin erzählt wurden.

"Sind Sie eigentlich aus Ihrer Heimat geflohen?" fragte jemand Herrn Balaban, "oder sind Sie freiwillig zu uns gekommen?"
"Tja", sagte Herr Balaban und kratzte sich am Kopf, "Ich bin freiwillig gekommen. Aber nur, weil ich musste."
"Also das gibt’s nicht. Entweder Sie mussten, oder sie sind freiwillig gekommen!"
"Hm", sagte Herr Balaban, "glauben Sie, dass eine Katze freiwillig Pfeffer frisst?"
"Eine Katze? Sicher nicht!"
"Ja, wenn Sie ihr den Pfeffer auf einem Teller servieren, sicher nicht. Dann müssten Sie ihr den Pfeffer schon gewaltsam ins Maul schieben. Aber wenn Sie ihr den Pfeffer unter den Schwanz streuen, da sollen Sie sehen, wie sie ihn freiwillig aufschleckt!"

Mehr Texte und auch Musik finden sie auf:
http://www.martinauer.net/balaban/index.htm

Martin Auer wurde 1951 in Wien geboren. Er hat die Universität besucht und dort ein Jahr lang das Studium von Germanistik und Geschichte und dann ein weiteres Jahr das Dolmetsch-Studium geschwänzt. Stattdessen hat er Theater gespielt. War sieben Jahre lang Schauspieler, Dramaturg und Musiker am "Theater im Künstlerhaus". Hat dann eine Band gegründet. Ist als Liedermacher aufgetreten. Hat Gitarreunterricht gegeben. Die Weltrevolution vorbereitet (gratis). Als Texter für Werbung und Public Relations Übetriebenes, Unwahres und Einseitiges verbreitet (für Geld). Für Zeitungen gearbeitet. Sich zum Zauberkünstler ausgebildet. Ist bei Betriebsfesten und Kindergeburtstagen aufgetreten. Hat irgendwann einmal auch ein Kinderbuch geschrieben. Das 1986 veröffentlicht wurde. Seither betrachtet er sich als Schriftsteller und hat aus diesem Grund noch an die vierzig weitere Bücher geschrieben. Er lebt in Wien und hat keine Katzen.

Marwan Abado, geboren in Beirut, lebt als Musiker in Wien. CDs: "Circles", "Son of the South", "Rainspotting". Mit Peter Rosmanith hat er die CD "Marakeb" aufgenommen.
http://web.utanet.at/abado/


Peter Rosmanith, geboren im Waldviertel, lebt als Musiker in Wien. Er hat unter anderem mit den "Liederlich Spielleut" gespielt, mit Klaus Trabitsch und Otto Lechner die CD "Still" eingespielt, schreibt Musik fürs Theater. Seine erste Solo-CD heißt "aans". (http://www.sra.at/records/221/8157.htm)

Das Buch "Herr Balaban und seine Tochter Selda" ist bei Beltz & Gelberg erschienen. Illustriert hat es Linda Wolfsgruber.

 

Kontakt, Termine, Gagen:
Martin Auer
0664 - 33 52 696
martin.auer@a1plus.at

Homepage: http//www.martinauer.net/